• Erbauer: Johann Christian Schleip, Berlin
  • Baujahr: ca. 1820
  • Sammlung Otto Heuss
Bereits im 18. Jahrhundert kamen einige Klavierbauer auf die Idee, die Saiten vertikal anzubringen und das Flügelgehäuse dementsprechend um 90 Grad hochzuklappen. Hierzu musste die Anschlagsmechanik verändert werden, weil die Schwerkraft nicht mehr zum Zurückfallen der Hämmer ausgenutzt werden konnte.

Durch die vertikale Aufstellung rückte das Gehäuse ins Blickfeld des Spielers, so dass eine künstlerische Gestaltung wünschenswert wurde. Das Design eines Lyraklaviers ist hierbei nur eine der vielen Gestaltungsmöglichkeiten; ähnliche Formen hatten das Giraffenklavier (asymmetrisches Gehäuse) und das Pyramidenklavier (Christian Ernst Friderici, Gera 1745).

Das Instrument war wegen seines geringen Platzbedarfs für Hausmusikzwecke gut geeignet. Als weniger vorteilhaft erwies sich die hohe Anordnung der Saiten nahe an den Ohren des Spielers. Aus diesem Grund entwickelte man aus dem Lyraklavier und anderen Klavieren mit vertikalen Saiten das Pianino (vgl. Exponat 31 Pianino) mit tieferliegenden Saiten.

Tonumfang: FF-f''''
Linker Kniehebel: Una corda*
Mittlerer Kniehebel: Fagott**
Rechter Kniehebel: Dämpfungs-Aufhebung

* Der italienische Terminus "una corda" bedeutet wörtlich übersetzt "eine Saite". Klaviere haben üblicherweise eine mehrfache Saitenbespannung zur Erzielung des sogenannten "chorischen Effekts": ein von mehreren Sängern gleichzeitig gesungener Ton klingt anders als der eines einzelnen Sängers. Das Una-corda-Pedal bewirkt eine seitliche Verschiebung der Klaviatur einschließlich der Hammermechanik, so dass von jedem Hammer nur noch eine Saite angeschlagen werden kann.

** Einschub eines Pergamentstreifens zwischen die Hämmer und die Basssaiten (hier FF-g''), um den brummenden Ton des Fagotts zu imitieren.

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LYRAKLAVIER